Historie

Der Tagesspiegel schrieb am 20. August 1993 über das Haus in dem sich das Cinema Paris befindet: “Das Maison de France am Kurfürstendamm ist jetzt als 1000. Baudenkmal unter Schutz gestellt worden. Die Gesamtzahl der Berliner Denkmale betrage allerdings 20.000, sagt Senator Volker Hassemer. Er sieht in dieser Fülle ein Zeichen für den Reichtum der Stadt. Das französische Kulturzentrum am Kurfürstendamm 211 sei `Teil des Geschichts- Buches Berlins´. Im Maison de France verknüpfen die Zeitläufe politische wie baugeschichtliche Historie: 1897 wurde der Raum an der Ecke Uhlandstraße mit einem für die großbürgerliche Gestaltung des Kurfürstendamms typischen Mietwohn- und Geschäftshaus bebaut. Beim ersten Umbau in den zwanziger Jahren weicht neobarockes Fassaden-Dekor dem Stil der Neuen Sachlichkeit. Dieses Haus Scharlachberg wird im Krieg teilweise zerstört, im Rest-Flügel bringen das Kabarett Roxy, ab 1947 auch Hotel, Restaurant und Bar ein Stückchen Ku´damm-Fluidum nach Charlottenburg zurück. 1948 wird Architekt Hans Semrau beauftragt, das Haus als französisches Kulturzentrum neu zu konzipieren. Schon am 21. April 1950 ist die Eröffnung. Das Haus mit dem Cinema Paris habe, so Hassemer gestern, zur kulturellen und gesellschaftlichen Erneuerung im weltoffenen und republikanischen Geist beigetragen.
Auch das gehört zur Historie: Am 25. August 1983 werden bei einem Sprengstoffanschlag auf das im Gebäude untergebrachte französische Generalkonsulat ein Mann getötet und 23 Personen verletzt. In einem Saal im vierten Stock war eine Bombe explodiert, die Teile der oberen Stockwerke und die Fassade zerstört hatte. In einem Anruf bekannte sich ein Vertreter der Geheimarmee zu Befreiung Armeniens zu dem Anschlag, später wurden Berichte bestätigt, nach denen der international gesuchte Terroristenführer Carlos beteiligt war.”
Jahrzehntelang als Mieter im Hause, kauft Anfang 1992 der französische Staat das Gebäude. In Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz erfolgen im Haus umfangreiche Baumaßnahmen.
Neben dem schon im Haus beheimateten Französischen Konsulat und dem Institut Francais wird im Erdgeschoß eine französische Bücherei eingerichtet; die dort ansässige Bankfiliale muss ausziehen. Gleichzeitig wird die Hausfassade vom Wirrwarr diverser Neonschriften befreit. Nur noch Maison de France und Cinema Paris zieren die Front.
Der Name des Filmtheaters Cinema Paris im Maison de France ist gleichzeitig Programm. Nachdem in den 80er Jahren vom Urkonzept des Hauses, vornehmlich französische Kultur/Filme zu präsentieren, stark abgewichen wurde, suchte der französische Staat nach dem Erwerb des Hauses einen Kinopächter, der das Programm konsequent mit europäischer und französischer Filmkunst gestaltet. Die Yorck Kinogruppe (heute dazugehörend: Yorck Kino GmbH; Delphi FTB GmbH, Cinema Paris Betriebs GmbH, Flott GmbH) erhielt den Zuschlag.
Am 27.April 1994 begann im Cinema Paris mit Claude Chabrols L’Enfer – Die Hölle eine neue erfolgreiche Ära. Digitalton und Digitalbild gehört zum ‘guten Ton’, bequeme Sessel mit Beinfreiheit bieten Komfort. Die Sicht auf die Leinwand ist von jedem Platz sehr gut, das Bild ist brillant und… das Cinema Paris hat (wieder) Atmosphäre.
Als Filmkunsthaus hat das Cinema Paris seit unserer Übernahme des Kinos im Jahr 1994 mit einem gradlinigen Programm ein großes Stammpublikum unter Cineasten, frankophilen und bürgerlichen Besuchern gewonnen.
Oft erzielen hier Filme aus dem französischen und romanischen Sprachbereich ihre besten Besucherergebnisse in Deutschland.
Das Programm des Cinema Paris wird von europäischer Filmkunst dominiert, vorzugsweise von französischen Produktionen. In der Regel zeigen wir Filme im Vollprogramm mit einer am Erfolg orientierten Laufzeit.
Parallel zu den deutschen Synchronfassungen der französischen Filme bemühen wir uns, die jeweilige Originalfassung mit Untertiteln einzubeziehen. Während mittelstarke Filme in dem großen Haus bei längerer Laufzeit ‚nur’ eine ‚Schiene’ mit der OmU-Fassung vertragen, können die OmU Fassungen besonders attraktiver Filme mitunter wochenlang das Programm des Cinema Paris bestreiten.
In 2011 lief Das Schmuckstück – Potiche drei Wochen in allen Vorstellungen in der OmU Fassung; die Filme Barfuss auf Nacktschnecken – Pieds nus sur les limaces und Kleine wahre Lügen – Les petits mouchoirs liefen in der ersten Woche in allen und ab der zweiten Woche in einer täglichen Vorstellung in der OmU Fassung, ab der zweiten Woche lief parallel die deutsche Synchronfassung; die Filme Der Name der Leute – Le nom des gens, Nichts zu verzollen – Rien à déclarer, Die anonymen Romantiker – Les émptifs anonymes‚ Die Liebesfälscher – Copie conforme und Nur für Personal – Les femmes du 6ème étage konnten wir ebenfalls täglich in der OmU und deutschen Synchronfassung anbieten; die Filme Das Labyrinth der Wörter – La tête en friche, Angèle et Tony und Charlotte Rampling – The Look liefen in einer täglichen Vorstellung in der OmU Fassung parallel zu anderen Filmen.
Auch unsere Matineevorstellungen werden dominiert von französischen Filmen in der OmU Version. Z.T. laufen neue Filme nach einem Einsatz im Vollprogramm in der Sonntagsmatinee noch weiter, auch bemühen wir uns, die OmU Fassung französischer Filme, die bei uns nicht regulär zum Einsatz kommen (können), zumindest in der Matinee zu zeigen.
In den OmU Fassungen liefen in 2011 in unseren Sonntagsmatineen:
La Dance (9 Wochen), Das Schmuckstück- Potiche (6 W.), Barfuss auf Nacktschnecken – Pieds nus sur les limaces (3 W.), Die Frau, die singt – Incendies (3 W), Kleine wahre Lügen – Les petits mouchoirs (3 W.)‚ Nichts zu verzollen – Rien à déclarer (4 W), Die anonymen Romantiker – Les émptifs anonymes (3 W.) und Mein Stück vom Kuchen – Ma pârt du gateau (2 W.).
Ergänzt wurden in 2011 unsere Matineevorstellungen durch längere Einsätze der Dokumentarfilme ‚ Im Himmel unter der Erde (12 W.), Infinite Space – Der Architekt John Lautner (3 W.), Over your cities grass will grow (3 W.) und Die grosse Passion (3 W)
Im Abendprogramm konnten wir in 2011 in Anwesenheit der Regisseure und/oder Darsteller Premieren und Previews mit den Filmen Der Name der Leute – Le nom des gens, Barfuss auf Nacktschnecken – Pieds nus sur les limaces, Die Liebesfälscher – Copie conforme, Charlotte Rampling – The Look, I’m not a f**king Princess, Over your cities grass will grow und The Big Eden durchführen.
Erneut fand im Cinema Paris die Eröffnung der türkischen Filmwoche und schon zum zwölften Mal die französische Filmwoche in Zusammenarbeit mit der französischen Botschaft statt. Während der französischen Filmwoche konnten wir ebenfalls zu einigen Premieren Regisseure und Darsteller begrüßen.
Das Cinema Paris zählt auch zu den Pionieren von ‚Cinefête’ und nimmt daran von Beginn an erfolgreich teil
Das Cinema Paris ist in Deutschland mit Sicherheit das Kino mit dem höchsten Anteil französischer und europäischer Filme, der Anteil an den Vorstellungen lag im Jahr 2011 bei knapp 91%.
(In 2011 liefen als nichteuropäische Produktionen lediglich Auf brennender Erde (2 Wochen) und Beginners (4 W.)).Das über Jahre konsequente Angebot französischer/europäischer Filme unter Einbeziehung der Originalfassungen (mit Untertiteln) wird durch ein großes Stammpublikum belohnt und ermöglicht den Spagat von Anspruch und notwendigem kommerziellen Erfolg.